WNBF Pro Andreas Plate – Über seine LaufbahnWie alles anfing... lang, lang ist es her... Lang, lang ist es her, dass ich den ersten Kontakt mit Gewichten bzw. Gewichtheben hatte. Ich erinnere mich, dass mein Onkel Gewichte im Keller hatte, die ich anfing zu schwingen. Zu diesem Zeitpunkt war ich aber nicht einmal in der Lage, 3 x 10 Stück Liegestütze zu schaffen. Das ist schon echt lustig, wenn ich daran zurückdenke. Ich dürfte zu diesem Zeitpunkt ca. 11 oder 12 Jahre alt gewesen sein. Durch diverse Trainingseinheiten im lokalen Freibad merkte ich, dass mein Körper sehr gut auf Krafttraining reagierte, da ich damalig mit knappen 60 Kilo ziemlich dünn war, aber doch rasch an Gewicht zulegen konnte. So kam ich letztendlich zum Bodybuilding. Dies ist mittlerweile über 20 Jahre her. Weihnachten 1989 bekam ich vom Weihnachtsmann eine Hantelbank mit Zugturm und Beincurl. Trainingsumgebung war eine sich im Keller befindliche Waschküche. Die Voraussetzungen waren nicht berauschend, aber immerhin gegeben, um ein wenig Wachstum zu stimulieren. Anfang 1990 ging es also los. Natürlich habe ich die typischen Fehler begangen, die man als Anfänger nur machen kann. Aus damaligen Zeitschriften mussten unbedingt „Mr. O“-Trainingspläne umgesetzt werden. Daran erinnere ich mich nur zu gut, da die damalig durchgeführten Trainingseinheiten schriftlich festgehalten wurden. Ein Trainingstag dauerte durchschnittlich 3 bis 4 Stunden, und natürlich wurde der ganze Körper täglich trainiert. Also Übertraining war der normale Wahnsinn. Auf die Ernährung habe ich in keinster Weise geachtet; da ich damalig sehr schlank war, dachte ich mir: „Essen, was das Zeug hält.“ Mein Weg ins Fitnessstudio Als Beispiel ist der Athlet „Florian Gallant“ zu erwähnen, der den deutschen Meistertitel der Junioren der GNBF e. V. sein Eigen nennen darf. Das Studio, in dem ich aktuell trainiere, ist das „Work-Out-Fitness“ in Dortmund. Dieses Studio ist ebenfalls Mitglied in der GNBF e. V. und bietet für mich die ideale Trainingsatmosphäre. Hierbei handelt es sich um ein „OLD SCHOOL“-Studio mit nicht zu großen Räumlichkeiten und Geräten, welche perfekt auf mich zugeschnitten sind. Der Inhaber Stephan Biro, selbst erfolgreicher Body-Fitness-Athlet, ist einer der besten Betreuer, die ich kenne. Er weiß immer, wie er auf jemanden eingehen muss, um das Feuer zu entfachen, welches zu erlöschen droht. Um Gegensatz dazu strahlt er eine unglaubliche Ruhe aus, die sich auf sein Gegenüber überträgt. Wir kennen uns seit 2004, dem Jahr, als ich erstmalig die Deutsche Meisterschaft in der Body-Fitness-Klasse gewann. Seitdem sind wir ein unzertrennliches Team und arbeiten unverdrossen weiter an meiner Entwicklung. Stephan, danke für alles und bleibe einfach so, wie Du bist! Meine Erfolge bei dopingkontrollierten Wettkämpfen Dieses Gewichtslimit erschien mir machbar, und zu guter Letzt wurden hier Dopingkontrollen durchgeführt. Mein Gewicht am Wettkampftag lag bei ca. 74 kg. Hier hätte ich 80 Kilo wiegen dürfen aufgrund meiner Körpergröße. An diesem Tag wurde ich Vize-Landesmeister. Glücklich und zufrieden über diesen Erfolg entschloss ich mich dennoch, nicht an der DM 2003 teilzunehmen. Die erste fettarme Diät hatte mir einfach zu viel abverlangt. Der NRW-Titelträger wurde bei der DM disqualifiziert aufgrund von Dopingmitteln, und ich war begeistert, dass man es ernst meinte mit den Kontrollen. Ab diesem Zeitpunkt habe ich unermüdlich Gas gegeben. 2004 konnte ich mir dann den NRW-Landesmeistertitel und den Deutschen Meistertitel sichern. Dies wiederholte ich 2005. Dann wurden leider die Regelungen geändert. Die Klasse wurde umbenannt, die Gewichtslimits erhöht und die nationalen Kontrollen abgeschafft. Somit war für mich die Teilnahme in dieser Klasse auf nationaler Ebene gestorben. Von nun an blieb also nur noch der kontrollierte „internationale“ Weg übrig. Auch hier war ich einigermaßen erfolgreich. Ich konnte mich bei allen meiner Wettkampf-Teilnahmen – sowohl national als auch international – immer unter den Top 3 platzieren: 7 x Platz 1, 2 x Platz 2 und 2 x Platz 3. Mein persönliches Ziel war es, meine Form für jede Meisterschaft noch zu verbessern und immer das Finale zu erreichen. Das ist mir gelungen. Darüber hinaus schaffte ich es jedes Mal aufs Treppchen. Nach 2007 wurden dann weitere Veränderungen für diese Klasse angekündigt, womit ich mich nicht länger identifizieren konnte. Fortan war dieser Verband für mich nicht mehr interessant. Die GNBF e. V. als perfekte Alternative Die Vorbereitung auf diese Meisterschaft verlief einfach perfekt. Alles, angefangen mit meinem Diätplan bis über Trainingspläne, das Aussuchen und Schneiden der Kürmusik bis hin zur Übung und Umsetzung der Posing-Kür, habe ich selbst in die Hand genommen. Dies habe ich nie anders gemacht, da ich mich selbst am besten kenne und weiß, was das Beste für mich ist. Am Tag der Anreise in Brunsbüttel erfolgte ein herzlicher Empfang durch den Präsidenten Berend Breitenstein mit anschließender Registrierung, Einschreibung, Wiegen, Klasseneinteilung und einer schriftlichen Erklärung, dass man keine Dopingmittel eingenommen hat. Anschließend ging es sofort zum Lügendetektortest, wo man komplett verkabelt wird und eine Reihe von Fragen gestellt bekommt, um anhand einer elektronischen Auswertung ein komplettes Ergebnis zu bekommen, ob ein Athlet gedopt ist oder nicht. Der Wettkampftag begann mit der ersten, für mich außergewöhnlichen Prozedur, nämlich einem Athleten-Treffen morgens um 8.00 Uhr neben der Bühne in einem abgesperrten Bereich. Dort richtete Berend Breitenstein ein paar motivierende Worte an die komplette Athleten-Mannschaft. Somit konnte der Tag beginnen. Die Meisterschaft war nahezu perfekt organisiert. Bei Fragen hatte man nie das Gefühl, allein zu sein. Ich hatte selten ein so gutes Timing erlebt. An diesem Tag stimmte bei mir aber auch einfach alles, und ich konnte mir den Sieg im Schwergewicht und den Gesamtsieg sichern. Das war mit Abstand der schönste Erfolg, den ich bis dato feiern durfte. Dies hätte ich mir nie erträumt – alleine schon der Klassensieg in der Königsklasse. Ich habe den Sieg meinem kurz davor verstorbenen Freund gewidmet. Es machte mir nichts aus, im Anschluss der Ehrung ans Mikrofon zu gehen und über dieses Thema zu reden. Dieses Wochenende war mit Abstand, angefangen von den Unterkünften bis hin zu der Veranstaltung selbst, wettkampftechnisch gesehen das einprägsamste Wochenende, das ich je erlebt habe. Dies habe ich aber auch meiner Lebensgefährtin Alexandra und meinem Betreuer und Freund Stephan Biro zu verdanken. Wir hatten sehr viel Spaß, und der Erfolg setzte dem Ganzen noch die Krone auf. Danke Euch dafür! Meine Ernährung Aufgrund der erfolgreichen Zusammenarbeit mit Body Attack war ich in der Lage, meine Form enorm zu verbessern. Somit bin ich von damaligen (2003) knappen 76 kg Wettkampfgewicht auf mittlerweile über 85 kg (2008) gestiegen. Natural ist dies, zumindest für mich, in diesem Zeitraum ein Fortschritt, den ich ohne diverse Supplements wie Protein, Kreatin und Glutamin nicht hätte realisieren können. Auf diesem Weg möchte ich mich für diese tolle Zusammenarbeit bedanken. Ich hoffe, es werden noch weitere Projekte folgen. Als Wettkampfdiät habe ich für mich die anabole Diät entdeckt. Der Sinn dieser Diät ist es, durch das Weglassen der Kohlenhydrate Heißhunger durch Blutzuckerschwankungen zu vermeiden. So gerät der Körper in die Ketose, um optimal die Energie aus den Fettzellen zu verwerten. Einmal in der Woche werden dann nach Möglichkeit komplexe Kohlenhydrate verzehrt, um, wie der Name sagt, einen anabolen Effekt zu erzielen. Die Zellen werden mithilfe des Insulins extrem mit Glykogen gefüllt. So entsteht über mehrere Tage hinweg ein pralles und gestärktes Gefühl, und es wird der Grundstein für die kommenden Tage gelegt, an denen erneut nur sehr wenige Kohlenhydrate verzehrt werden. In der Druckausagabe des Natural Bodybuilding & Fitness Magazin Nr. 7 finden Sie an dieser Stelle den Ernährungsplan. Mein Motto Für den Erfolg muss man meiner Meinung nach ab und zu ausblenden, was links und rechts um einen geschieht, und bereit dafür sein, härter als andere zu arbeiten. In der Diät muss man sich immer wieder sagen: „Ich sündige nicht, da meine Gegner dies auch nicht tun!“ Man muss einfach anders sein als andere. Ansonsten wäre jeder genauso gut wie man selbst. Menschen, die erfolgreich eine "bestimmte" Leidenschaft im Leben haben, und sich daraus ein Ziel formen, dies dann mit 100%iger Hingabe verfolgen und dafür arbeiten, werden immer für Ihren Einsatz belohnt und den Erfolg ernten. Die einen früher, die anderen später, aber der Erfolg wird sich einstellen. Das ist Fakt! Bei Niederlagen nicht aufgeben! Es ist wichtig, nach Niederlagen aufzustehen und weiterzumachen; auch wenn diese Niederlagen im Vorfeld einer Wettkampf-Teilnahme passieren. Sich nicht vom Weg abbringen lassen. Mehrere unterschiedliche Sachverhalte unter einen Hut zu bringen und trotzdem erfolgreich zu sein, bei Niederlagen wieder aufzustehen, dies alles zeichnet einen Champion aus. Sicherlich sollte man trotzdem niemals mit der Brechstange an eine Sache herantreten und sich die Frage stellen: „Wie hoch ist der Preis für meinen Erfolg?“ Man darf und sollte die Realität nicht aus den Augen verlieren, das Für und Wider abwägen und die Balance zwischen Beruf, Hobby und Privatleben finden. Nur wenn sich alles harmonisch in- und miteinander dreht, so wie die Zahnräder eines Uhrwerks, wird man zufrieden und erfolgreich sein können. Das Leben ist kein Zuckerschlecken und das eines Wettkampf-Bodybuilders erst recht nicht! Meiner Meinung nach ist das Wettkampf-Bodybuilding der härteste Sport, den es gibt. Eine totale Verausgabung trotz härtester Diät findet man in keiner anderen Sportart. Jeder Athlet, der auf einer Bühne steht und eine gute Form zeigt, hat absoluten Respekt verdient. Leider ist es so, dass man als Wettkampf-Bodybuilder verhältnismäßig wenig Lohn erntet. Die Gelegenheit, solch einen Artikel wie diesen hier zu verfassen, haben nicht viele. Ich gehöre dazu und fühle mich geehrt, dies tun zu dürfen. Tausende Leser verfolgen nun diese Zeilen. Es macht tierisch Spaß, anderen zu helfen und zu zeigen, wie man es selbst geschafft hat. VIELEN DANK DAFÜR. Bleibt dran und vergesst nicht: niemals aufgeben! Mein Ziel Kurzinfo: Andreas Plate ist GNBF e. V.-Gesamtsieger 2008 und bereitet sich auf sein Comeback bei der GNBF e. V. Deutschen Meisterschaft 2011 und seinen Start beim WNBF Europe Pro Cup 2011 vor. Diesen Artikel können Sie zusammen mit vielen anderen im Natural Bodybuilding & Fitness Magazin Ausgabe Nr. 7 nachlesen.
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