Thilo Pasch verrät, wie Plattfüße entstehenDer medizinische Fachbegriff für das schwächer werden unserer Fußgewölbe lautet Spreiz- und Senkfuß. Eigentlich kann man hier gar nicht mehr von einer Pathologie sprechen, denn die Entwicklung dieser Phänomene ist auf die Weiterentwicklung unserer Zivilisation zurückzuführen. Der Großstadtmensch läuft halt hauptsächlich auf glattem Asphalt. Unser Körper befindet sich nur noch selten in der Situation über wackelige Untergründe, wie Steine, Äste oder Sand, marschieren zu müssen. Leichte Fälle von Spreiz- und Senkfüßen dürfen wir fast alle unser eigen nennen, und sie sollten uns nicht weiter beunruhigen. Unser Körper hat sich im Laufe von Generationen einfach an die Fortbewegung auf ebenem Untergrund angepasst. Gegen schwerere Formen des Untergangs unseres Fußgewölbes sollte allerdings etwas getan werden, da durch die Dämpfungsverminderung bei unseren Schritten, auf lange Sicht auch andere Gelenke in Mitleidenschaft gezogen werden können. Kniegelenke und Wirbelsäule müssen die fehlende Federung ausgleichen und werden damit anfälliger für Verschleißerscheinungen. Bei leichten Senk- oder Spreizfüßen sollte von Einlagen in jedem Falle abgesehen werden, denn die passive Unterstützung würde zum endgültigen Abbau der kurzen Fußmuskulatur führen. Die Entscheidung, ob passiv unterstützt werden muss, obliegt dem verantwortungsvollen Orthopäden. Der Senk- und Spreizfuß ist nicht mit dem so genannten Plattfuß zu verwechseln. Dieser ist angeboren und gehört in jedem Falle in ärztliche Hände.Wir Zivilisationsgeschädigten können allerdings sehr wohl etwas für die Kräftigung unserer Fußmuskulatur tun. Laufen Sie, so oft es möglich ist, barfuß. Ermutigen Sie, gerade unsere Kleinen, häufig den direkten Hautkontakt mit der Natur zu suchen. Das stärkt nicht nur die Muskulatur, sondern auch die Koordination und die Durchblutung. Sandwanderungen, Wassertreten, Tautreten, sogar Schneetreten können unsere verweichlichten Fußgewölbe wieder auf Vordermann bringen. Der gute, alte Pfarrer Kneipp ist zwar komplett aus der Mode geraten, aber Recht hat er immer noch! Wussten Sie eigentlich, dass dem Menschen im Laufe der Evolution schon zahlreiche Muskeln verloren gegangen sind? Es gibt nur noch selten vereinzelte Menschen mit einem dritten Wadenkopf oder der ursprünglich kompletten Unterarmmuskulatur. Das sind nur zwei Beispiele von vielen. Ist ein Muskel einmal aus dem genetischen Code gestrichen, wird er auch niemals wieder zurückkehren. Denken Sie diesen Gedanken des langsamen Untergangs unseres Bewegungsapparates einmal zu Ende ... Fortschritt oder Horror-Sience-Fiktion? Thilo Pasch, Sportphysiotherapeut, Fitnessweltmeister, Mr. Universe
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